Compact Life Aufbewahrungen in der Form des Lebens

MUJI

Eine neue Art von Wohlstand

Naoto FukasawaProduktgestalter

Je mehr wir die Funktion und Wirtschaftlichkeit priorisieren, desto mehr Reichtum verlieren wir.

In einem Zeitalter, das mit materiellem Wohlstand durchtränkt ist

Der international anerkannte Produktgestalter Naoto Fukasawa hat seit 2002 als MUJI-Beiratsmitglied eine glückliche Hand bei der Gestaltung verschiedener Produkte und bei einer Vielzahl von Projekten bewiesen.

Fukasawa ist berühmt für seine Entwürfe, die gerade ausreichende Funktion mit absolut minimalistischer Form vereinen. Er berücksichtigt nicht nur das Verhältnis zwischen dem Verhalten und dem Gegenstand, sondern er befasst sich auch eingehend mit der Beobachtung des Raums, in dem dieses Verhältnis stattfindet. Durch diesen Vorgang werden diese Produkte mit einem einfachen und minimalistischen Tatazumai (Präsenz eines Gegenstandes) geboren.

Wie sieht Fukasawa das Konzept von Compact Life, das von MUJI vorgeschlagen wird?

"Das Konzept des Markenzeichens MUJI entstand in einem Zeitalter, in dem die japanische Wirtschaft schnell angewachsen ist und in der die Menschen den materiellen Wohlstand genossen haben. Im Originalkonzept gab es also ein sehr starkes Element, dass die täglichen Bedürfnisse befriedigt werden. Dies war eine Einstellung, die sich herausgebildet hat, weil die Menschen mit materiellem Wohlstand durchtränkt waren, und in diesem Sinne deckt [das Konzept des Compact Life] eine Rückkehr zu unseren Anfängen auf. Gleichzeitig glaube ich, dass das Konzept genau die Richtung erfasst, in die sich die heutige Gesellschaft bewegt."

Aufbewahrungen als Wände, Funktion als Erweiterung des Körpers

Die Umgebung, in der wir leben, hat sich allmählich verändert, da Häuser und Haushaltsgeräte entwickelt wurden und die Informationstechnologie Einzug gehalten hat. Fukasawa beurteilt diese Veränderungen hinsichtlich der "Wände und Körper". Er sagt, dass die meisten der Geräte, die wir täglich benutzen, ohne darüber nachzudenken, dazu neigen, sich zu Erweiterungen entweder unserer Wände oder unserer eigenen Körper zu entwickeln. Er erläutert: "Das beste Beispiel dafür ist das Fernsehen. Alte Fernsehgeräte waren Geräte mit Kathodenstrahlröhren, die den Raum stark beeinflusst haben. Sie entwickelten sich zu Flüssigkeitskristallanzeigen mit sehr dünnen Bildschirmen, und Fernsehgeräte können heute in die Wände integriert werden oder an ihnen aufgehängt werden.
Andererseits können wir Filme jetzt auch auf handtellergroßen Smartphones oder Tablet-Computern sehen.
Letztere sind Beispiele für Gegenstände, die sich zu Erweiterungen unseres Körpers entwickelt haben."

Schauen Sie sich heute in unseren Lebensbereichen in dieser Hinsicht um, und Sie werden erkennen, wie viele Gegenstände zu dieser Beschreibung passen — Klimaanlagen und Beleuchtungskörper, die in Decken eingebaut sind, Küchengeräte, die in Hängeschränken untergebracht sind.

"Wir bewegen uns allmählich in eine Welt, in der die Form verschwindet und nur die Funktion verbleibt. Die Dinge werden sich weiter in diese Richtung bewegen. Demzufolge wird es in der Zukunft möglich sein, ohne jegliche materielle Gegenstände zu leben. Je mehr wir jedoch die Funktion und Wirtschaftlichkeit priorisieren, desto mehr Reichtum verlieren wir. Und an dieser Stelle finden wir Gegenstände, deren Gegenwart nicht als Erweiterungen einer Wand oder unserer Körper umfasst werden können."

Fukasawa sagt, dass er, als er in der Vergangenheit die Produkte für die Hersteller in Europa und Nordamerika gestaltet hat, deren Herangehensweise geschätzt hat, bei der jedes Detail — nicht nur die Gestaltung eines bestimmten Möbelstücks — sorgfältig diskutiert wurde. Wenn dies ein Tisch wäre, wer würde daran sitzen? Wenn dies Regale wären, welche Art von Büchern würden sie tragen und wie wären sie angeordnet? Der Schwerpunkt scheint zu sein, die Produktgestaltung als einen Aspekt der Gestaltung der Umgebung zu sehen — die Gestaltung von Möbeln als Teil des Prozesses der Gestaltung des Raumes als Ganzes.

Gestaltung der Umgebung

"Ich habe kürzlich den Kleiderschrank in meinem Haus umgestaltet.
Bei diesem Vorgang habe ich jede Jacke betrachtet, die in ihm hängen würde. Ich habe nur die besten Jacken ausgesucht und diejenigen, die ich gern trage.
Ich habe nur etwa die Hälfte von dem behalten, was ich besessen habe, und das hat mir sehr viel mehr Platz verschafft — etwa 10 Zentimeter zwischen den Kleiderbügeln. Auf den ersten Blick scheint nichts zwischen meinen Jacken zu existieren, in Wirklichkeit ist dort aber leerer Raum, der vorhanden ist. Durch das Hinzufügen dieses freien Raumes ist ein neuer Entwurf entstanden, wie der Kleiderschrank insgesamt funktioniert, inklusive des unsichtbaren, aber sehr realen Raumflusses."

Ein gut organisiertes Leben ist nicht einfach eine Frage von weniger Hab und Gut oder der Organisation der Dinge und ihrer guten Aufbewahrung. Was wichtig ist, ist für sich selbst diejenigen Gegenstände herauszufinden, deren Gegenwart nicht als Erweiterungen einer Wand oder unserer Körper umfasst werden können, und diese Gegenstände in die täglichen Funktionsweisen unseres täglichen Lebens einzubringen. Zum Beispiel die Aufmerksamkeit auf die wunderschöne Leere eines bestimmten Raumes in einem Regal lenken, indem Sie dort einen Stein hinlegen, den Sie auf Reisen gefunden haben, oder ein Werk hinstellen, das von einem Handwerksmeister erschaffen wurde. Das Museum für japanisches Kunsthandwerk, dessen Direktor Fukasawa ist, ist diesbezüglich sicherlich eine gute Fundquelle.

"Gegenstände, die vollkommen alltäglich sind, die aber richtig heranreifen, verzaubern uns. Das geschieht doch, nicht wahr? Diese Gegenstände sind reich an dem, was das genaue Gegenteil des materiellen Wohlstands ist, und wohl deshalb faszinieren sie uns so. Da die Bestandteile unseres täglichen Lebens sich zu Erweiterungen entweder der Wand oder unserer Körper entwickeln, beschreibt die Vorstellung des Compact Life eine Stilrichtung der Einbeziehung von Räumen, die uns persönlich ein wenig Luxus fühlen lässt."