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Müllvermeidung kann man lernen

Yumiko SakumaAutorin

Die Verfasserin des Buches Hip Revolution lebt in den USA und verfolgt dort genauestens die neuesten Lifestyles aus New York und Portland. Sie macht einen Schritt weg vom Konsumdenken und sieht das Entstehen neuer Verbindungen zwischen Produzenten und Käufern, die nach vertrauenswürdiger Herstellung Ausschau halten. Hier teilt sie mit Ihnen einige Gedanken, wie man die Vermeidung von Müll erlernen kann.

Als vor etwa fünf Jahren ein Schneesturm die Müllabfuhr in New York lahmlegte, machten mich die Müllmengen, die allein aus unserem kleinen Wohnhaus mit nur acht Familien kamen, mehr als nur fassungslos.Als Stadtbewohner leben wir vor uns hin und spucken dabei unbeschreibliche Mengen Abfall aus, wovon sich der größte Teil ohne Recycling einfach nur anhäuft, anstatt zur Erde zurückzukehren.

Seitdem ist die Reduzierung von Müll eines meiner Ziele. Um dies umzusetzen, muss ich mir Gedanken über die Bedeutung dessen machen, was ich kaufe und besitze. Jedesmal, wenn ich im Geschäft etwas anfasse, muss ich mich fragen, ob ich das wirklich brauche. Funktioniert es auf die mir erforderliche Weise? Geht es irgendwann kaputt? Kann ich es dann selbst reparieren? Werde ich es eines Tages leid sein? Wurde es von einer vertrauenswürdigen Firma hergestellt? Werde ich es auch in Zukunft mögen? Diese Fragen halte ich mir mehr als je zuvor vor Augen.

Nachdem uns die Finanzkrise von 2008 tiefe Ängste bescherte, begann ich immer mehr Leute zu sehen, die die alten Muster von Massenproduktion und Massenkonsum in Frage stellten und neue Wege einschlugen, Dinge von Hand herzustellen, wobei sie ihr Hauptaugenmerk auf kleinere Veränderungen innerhalb unserer normalen Reichweite richteten, insbesondere in Städten wie Brooklyn oder Portland. Dies brachte mich darauf, das Buch Hip Revolution auf Japanisch zu schreiben. Sein Erscheinen 2014 eröffnete mir ganz neue Türen, mehr Leuten mit ähnlichen Werten in Japan und Europa zu begegnen.

In der Gruppe scheinen sie alle die Bedeutung und die Folgen der Herstellung und des Verkaufs von Gütern in dieser mit Kram überfüllten Welt in Frage zu stellen. So stellt Marlow Goods in Brooklyn beispielsweise Lederwaren aus den Häuten von Tieren her, die in Partnerrestaurants serviert werden, während diese Häute andernfalls auf dem Müll landen würden. Fait la force arbeitet mit Kunsthandwerkern in Haiti zusammen, um Ledertaschen und Steppdecken herzustellen.

Und immer mehr Leute funktionieren Dinge, die Sie bereits besitzen, einfach um. Abasi Rosborough ist eine Bekleidungsmarke, die uns Anzüge im futuristischen Design präsentiert, während sie Stoffe aus unverkäuflicher Ware verwendet. Shin Maruyama, der japanische Designer hinter dem Label Twoness, haucht alter Kleidung neues Leben ein, indem er sie zerreißt und wieder neu vernäht.

Einige Hersteller erforschen auch unsere Beziehungen zu traditionellem Kunsthandwerk und althergebrachten Methoden. Mokko Tokeshi, ein Duo, das ich auf Okinawa besuchte, wo es versucht, mehr Besucher anzulocken, genoss seine Ausbildung in der Gegend von Wajima, um die dortige traditionelle Methode des Kunstlackierens, die sich das örtliche Wetter zunutze macht, zu erlernen und auszuüben. Loopwheeler in Tokyo, eine Marke die Sweatshirtmaterial verwendet, startete als Versuch, herkömmliche Rundstrickmaschinen vor dem bevorstehenden Aussterben zu bewahren.

Je mehr ich den Erzählungen der Hersteller und Kunsthandwerker folgte, die sich um Fertigungsverfahren abseits und entgegen der Massenproduktion bemühten, desto schuldiger fühlte ich mich, Dinge nur wegen ihrer ästhetischen Schönheit zu kaufen. Doch jetzt, da ich weiß, warum und wie diese Menschen Gegenstände herstellen und wie deren Preise zustande kommen, liebe ich diese Gegenstände umso mehr; sie lassen mein Herz höher schlagen.

Und ich bin nicht sicher, ob ich zu solchen Erkenntnissen auch ohne die Phase der Massenproduktion und des Massenkonsums gelangt wäre. Doch die Idee dahinter ist gar nicht so neu. Die Generationen unserer Großeltern kauften und verwendeten überwiegend handgefertigte Gegenstände, pflegten nachbarschaftliche Beziehungen mit Kaufleuten und hielten die Dinge durch Reparaturen in Stand.

Die kenianische Umweltaktivistin und Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai, die leider 2011 von uns gegangen ist, bemühte sich nach Kräften, den Gedanken des „Mottainai“ zu verbreiten, eines japanischen Wortes, das sich einer Übersetzung in die meisten Sprachen widersetzt, doch ein Gefühl des Bedauerns von Verschwendung zum Ausdruck bringt. Viele argumentieren, dass unsere Ressourcen nicht unbegrenzt seien und unser Lebenswandel die Erde unter enormen Druck setzt. Doch gleichermaßen ist auch erwiesen, dass die Botschaft „Rettet die Erde vor ihrer Zerstörung“ uns noch nicht zwingt, unser Konsumverhalten zu ändern.